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Text und Bild aus der “Schwäbischen Zeitung” vom 08.04.2011.
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Versprichelt: Binder stichelt weiter
Seit einem Jahr nimmt Jürgen Binder in der SZ kleine Dinge und große Politik aufs Korn
Von Tanja Poimer
Friedrichshafen Er ordnet für uns den Verzicht ein: „Der Schwabe denkt, es könnt ja sei, in d’ Maultäschle sieht Gott it nei. Mir drücket gern ein Äuglein zu, it täglich g’schlemmt isch g’faschtet gnu.“ Oder aber er bemüht sich um die weibliche Note: „Seehofer heizt den Bayern ein: Ins Management mehr Frauen rein! Mehr Frauen in die Parlamente, weil Frauenpower helfen könnte. Go 4 Resi, Zenzi, Vroni!, möchte der Bayern-Berlusconi.“ Immer wieder montags reimt sich Jürgen Binder in der Schwäbischen Zeitung zusammen, was in und um Friedrichshafen herum passiert und was dahinter steckt – und das seit mittlerweile zwölf Monaten.
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Und so kam’s: 2010 verabschiedete er sich nach 30 Jahren von der Häfler Bürgerball-Bühne. Er wollte nicht mehr in die Bütt steigen, aber weiterhin zur Feder greifen. Das Ergebnis: die SZ- Kolumne mit dem vielsagenden Titel „Binder stichelt“. „Es macht großen Spaß, dass keine Stichelei ist wie die andere“, sagt der Häfler. Und mit dem guten Gefühl ist er nicht alleine: „Wildfremde Menschen kommen auf dem Markt auf mich zu und erzählen mir, wie gerne sie die Kolumne lesen.“
Kritische Stimmen seien nur vereinzelt zu hören. Ein Leser habe beispielsweise beklagt, seine Reime seien zu parteilastig. Ein Vorwurf, mit dem jeder Kabarettist zu kämpfen habe, „wenn bekannt ist, welcher Farbe er anhängt“, weiß Jürgen Binder. Seine ist rot und seine Antwort in der Schwäbischen trug den Titel „Wechselstich“. Ein Auszug: „En Häfler moint: Was stichelscht Du denn so oft über d‘ CDU? Die gebet halt, kann i bloß sage, zurzeit sooo schöne Steilvorlage.“ Der SZ-Kolumnist kommt zu dem Schluss: „Jetzt schießen Finger in die Höh‘: Scho wieder schont er d‘ SPD. Und in dem Fall sag‘ i laut: Wenn die im Hafen Mischt mal baut, dann wird au über Rot gestichelt, des isch jetzt scho fescht versprichelt.“
Diese Stichelei ist dem Meister der außergewöhnlichen Reime leicht gefallen. Das ist nicht immer der Fall: „Manchmal sitze ich dran, und mir fällt nicht ums Verrecken ein, wie das Ganze ausgehen soll.“ Sein Rezept: „Fünf bis sechs Mal um die Ecke denken, und es geht.“
Die Frau als Inspiration
Inspirieren lässt sich Binder besonders gerne von seiner Frau Rotraud. „55 Sticheleien sind es bis jetzt, und meistens hat sie mich aufs Thema gelupft.“ Die Gemahlin ist jedoch nicht nur Ideengeberin, sondern auch letzte Instanz in Sachen Freigabe. „Ich schätze meine Frau sehr, weil sie konstruktiv kritisiert“, schwärmt er.
Andere Einfälle kommen dem Häfler auf den vielen Reisen, die das Paar schon nach ganz Asien geführt haben. Im Herbst steht eine Flusskreuzfahrt auf dem Irawadi in Myanmar an. Als nächstes reisen Binders aber nach Polozk, Friedrichshafens Partnerstadt in Weißrussland, um dort am 26. April einen traurigen Gedenktag zu begehen: Vor 25 Jahren geschah die Atomkatastrophe in Tschernobyl. Als Vorsitzende des Freundeskreises Polozk darf Rotraud Binder an diesem Tag nicht fehlen, und ihr Mann, unter anderem Fotograf des Vereins, ist an ihrer Seite.
Zusammen fährt das Ehepaar von Mai bis Juni außerdem mit dem Wohnmobil nach Südfrankreich. Weil Jürgen Binder die SZ-Leser nicht im Stich lassen will, wird er seine Gedichte von unterwegs liefern. „Dann kommt eben der Sarkozy dran“, betont der Häfler, der überzeugt ist, dass der französische Präsident genügend Stoff bietet.
Welcher Themen er sich in Zukunft annimmt, kann der SZ-Kolumnist noch nicht sagen. Nur so viel: Nach einem Jahr soll noch lange nicht Schluss sein. Jürgen Binder verspricht: „Ich habe ganz fest vor, weiter zu sticheln.“
Nachfolgend Jürgen Binders “Lieblingsstichelei” J
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Do it yourself Ich denk‘ manchmal an d‘ Ulla Schmidt.So schlecht war die doch wirklich it.Hochdeutsch sprach sie nicht perfekt,‘s war eher Aach’ner Dialekt.Heut‘ hent mir dafür en Minister,perfekt in deutscher Sprache ist er.Doch „Neue Besen kehren gut“in seinem Fall nicht stimmen tut.Für G’sundheit macht er eine Planung.Du überlegscht: „Hat der Ma Ahnung?“Jetzt möchte er, tut dabei strahlen,dass mir beim Doktor selber zahlenund ihm vielleicht, mir werret‘s sehe,au no a kloines Trinkgeld gä’a. |
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Von de Krankekass‘, wenn du hasch Glück,kriegscht später neunz‘g Prozent zurück.I denk‘, Rösler duet scho lang dra denke,wird uns bald Doktorkoffer schenkemit einem Büchle, des wär Klasse:„Heil‘ dich selbscht, dann lacht die Kasse“.Außerdem im Koffer drinStethoskop und Aspirin,Breitbandantibiotikum,Gummihandschuh‘, au it dumm,Huschteguetsle und – der Gag – a Operationsbeschteck.Kleinere Eingriffe, oifach probiere,kannsch künftig selber du ausführe.Im Fernseh‘ strahlt me d‘ Sendung aus:„Ich nehm‘ mein‘ Blinddarm selber raus.“ |
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D‘ Volkshochschul‘ bietet Kurse a,wie me Nierestoi entferne ka.A Buch kommt raus, a Weihnachtsg‘schenk:„Jetzt wechsle ich mein Hüftgelenk.“Beim OBI gibt’s, au des isch schlau,die Intesivstation zum Eigenbau.Und tuscht zum Wohl der Kasse sterben,derfscht du dein Köfferle vererben. Die Kanzlerin, sie lächelt froh:„Bravo, Rösler, weiter so!“ Diese Stichelei erschien am 04.10.2010 in der Schwäbischen Zeitungr |
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Text und Bild aus der “Schwäbischen Zeitung” vom 22.03.2010.
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Neue SZ-Rubrik: Binder stichelt weiter
"Es wird immer was zum Schmunzeln sein": Das verspricht Jürgen Binder, der sich ab sofort jeden Montag in der Schwäbischen Zeitung zu Wort meldet.
(FRIEDRICHSHAFEN/poi) Die Schwäbische Zeitung hat's geschafft: Jürgen Binder, der sich nach 30 Jahren von der Häfler Bürgerball-Bühne verabschiedet hat, macht weiter. Gut, in die Bütt steigt der Meister der Reime nicht mehr. Dafür wird er sich aber in der SZ jeden Montag unter der vielsagenden Überschrift „Binder stichelt“ zu Wort melden.
30 Jahre lang ist Jürgen Binder nicht vom Bürgerball wegzudenken gewesen. Ob als Koch, Geisha oder Gigolo -- er schlüpfte in mächtig viele Rollen, um auf Schwäbisch und in ganz eigener Reimform die kleinen und mittleren Themen der Stadt, aber auch die ganz große Politik kritisch zu beleuchten. Einige bekamen bei ihm ihr Fett weg. Und das gar nicht mal so ungern: „Viele Leute sind froh, wenn sie bei mir drankommen“, weiß der Häfler schon lange.
Klar, dass er seine Lieblingskandidaten hatte. Da sind zum Beispiel der Ex-OB Josef Büchelmeier oder der frühere erste Bürgermeister Dieter Hornung, die bei Binders Programmen schon oft über sich selbst lachen durften und mussten.
Eine Kunst, die leider nicht alle beherrschen, wie Jürgen Binder bedauert. Doch auch oder gerade sie dürfen gespannt darauf sein, ob es sie wieder erwischt, wenn der Meister montags in der Schwäbischen Zeitung reimt. Die Redaktion freut sich jedenfalls schon sehr. Um seinen augenzwinkernden Blick auf unseren Alltag und den ganz normalen Wahnsinn wäre es einfach zu schade gewesen.
Seine Gedichte werden nicht nur politisch, sondern immer wieder hintergründig humorvoll sein und Dinge beschreiben, die sich eben so abspielen. Jürgen Binder verspricht: „Es wird immer zum Schmunzeln sein. Es wird einzelnen manchmal ein bissle weh tun, aber immer so, dass sie damit leben können.“
Jetzt ist es aber höchste Zeit für die Ansage: Binder, bitte sticheln Sie! Die erste Kolumne lesen Sie in der Montagsausgabe der SZ Friedrichshafen.
(Erschienen: 21.03.2010 17:30)
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